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Nach der Attacke eines wilden Braunbären auf einen Bergbauern im Lungau warnt ein österreichisch-kanadischer Experte und Jäger vor Ansiedlung der Wildtiere in den Alpen. Die Kulturlandschaft sei zu dicht besiedelt und die wenigen Wildnisgebiete zu klein.

Salzburg, 27.09.2014 - Der österreichisch-kanadische Experte Fritz Mayr-Melnhof betreut seit Jahrzehnten mit seinem Team ein riesiges Wildnisgebiet im Yukon-Territorium Kanadas. Dort leben mehr als 100 erwachsene Braunbären in Freiheit. Ein Teil davon wird von der kanadischen Regierung jährlich und streng kontrolliert für die Jagd freigegeben. Mayr-Melnhof rät, diese großen und prächtigen Tiere sollten im dicht besiedelten Alpenraum nicht mehr ausgesetzt und nicht angesiedelt werden - zur Sicherheit der Menschen und der Bären. Die geografischen Räume in den Alpen seien trotz einiger großer Schutzgebiete viel zu klein, so der Fachmann. Menschen und Bären kämen sich unweigerlich immer wieder in die Quere.

„Keine bärensichere Infrastruktur der Gemeinden“

Resultat der Ansiedlung in den Alpen sei, dass Riesen abgeschossen werden müssten, wenn sie sich vor Menschen nicht mehr fürchteten bzw. von deren Abfällen angezogen würden. Das trete schneller ein, als viele vermuten würden. Außerdem sei die Infrastruktur der Gemeinden nicht gegen stöbernde Bären abgesichert. Das Thema werde in Europa von verschiedenen Öko-Gruppen zu romantisch betrachtet.

Grizzlies

Wilder Braunbär in Kanada kurz vor einem Scheinangriff, unweit von Whitehorse im Yukon Territory. In Nordamerika sind Braunbären auch als „Grizzlies“ bekannt. Diese Großen gelten bei vielen Einheimischen als gemächlicher und weniger aggressiv als die deutlich kleineren Schwarzbären. Darüber gibt es jedoch sehr geteilte Meinungen, je nach persönlichen Erfahrungen

 

Was bisher geschah

Es war laut amtlichen Angaben des Landes Salzburg ein ausgewachsener Braunbär, der am vergangenen Dienstag auf einer Alm des Schwarzenberges bei Thomatal einen 71-jährigen Bergbauern angegriffen haben soll. Der Landwirt sei langsam gehend zurückgewichen - immer mit dem Gesicht zum Bären, wie es empfohlen wird. Dann sei er gestolpert und hingefallen, worauf der Bär nochmals angegriffen habe - nun gegen den Kopf. Eine Platzwunde und leichte Verletzungen an den Zähnen sind die Folgen. Der Bauer habe sich totgestellt, worauf sich der Bär zurückzogen habe. Der Bezirkshauptmannschaft wurde der Zwischenfall offenbar erst am Donnerstag gemeldet.

Angriff gegen Kopf des Bauern

Die Alpinpolizei im Lungau hat am Donnerstag ihre Ermittlungen aufgenommen. Laut Bärenexperten in Kanada gelten Prankenhiebe gegen den Kopf als lebensgefährliche Angriffe, wegen der enormen Muskelkraft und Schnelligkeit mit sehr scharfen Krallen. Im Gegensatz zu vielen Scheinangriffen, bei denen heranlaufende Bären circa zehn bis 20 Meter vor dem Menschen stoppten, kämen solche körpernahen Attacken weltweit selten vor. „Im ersten Schritt ist es wichtig, die regionale Bevölkerung von diesem Vorfall und über das richtige Verhalten zu informieren. Auch Österreichs Bärenanwalt Georg Rauer wird die Unfallstelle bei einem Lokalaugenschein besichtigen. Das soll am Freitag geschehen“, teilte dazu der Salzburger Agrarlandesrat Josef Schwaiger (ÖVP) mit.

Landwirt mit guten Nerven

Nach den ersten Informationen soll der Bergbauer völlig richtig reagiert haben, als der Bär angriff. Er sei ruhig geblieben und nicht davongelaufen. Landesrat Josef Schwaiger sagte dem ORF, der Mann habe dem Bären nie den Rücken zugekehrt und habe sich langsam nach rückwärts entfernt: „Das ist genau das richtige Verhalten. Ich weiß, das sagt sich leicht, aber man sollte keinesfalls davonlaufen.“

Quelle: http://salzburg.orf.at/news/stories/2670540/