BERN - 14.11.2014 - Wenn die Schafe im Winter ins Tal kommen, ziehen auch die Herdenschutzhunde mit. Zwar ist der Wolf hier keine grosse Gefahr mehr. Doch die Bewacher lassen sich nicht einfach ausschalten.

Wegen der Ansiedlung von Wölfen und Bären in den Schweizer Bergen lassen manche Bauern ihre Schafe auf der Alp von Hirtenhunden bewachen. Mit dem Einzug des Winters ziehen die Herden nun ins Tal – und mit ihnen ihre Beschützer. Sehr zum Ärger der Anwohner. Denn die Herdenschutzhunde machen hier weiterhin ihren Job: Sie bellen, wenn sich etwas nähert, das kein Schaf ist.

Herdenschutzhund

 Ein Herdenschutzhund bewacht Schafe ... (Keystone)

Obwohl es im Tal in der Regel keine Wölfe zu vertreiben gilt. Herdenschutzbeauftragter vermittelt Gestern diskutierten Experten an der Fachtagung Herdenschutz 2014 in Ittigen BE über die Umsetzung der Herdenschutz-Richtlinien des Bundes. Mit dabei war unter anderen Jan Boner, Herdenschutzbeauftragter des Kantons Graubünden. An ihn können sich Anwohner wenden, wenn sie das nächtliche Gebell von Hirtenhunden in den Wahnsinn treibt. Er nehme Lärmklagen sehr ernst, sagt Boner zum Schweizer Fernsehen SRF.

Der Herdenschutzbeauftragte versucht in solchen Fällen jeweils zwischen Anwohner und Hundehalter zu vermitteln. Es gehe darum, für beide Seiten passable Wege zu finden. Eine mögliche Lösung sei beispielsweise, dass die Hunde die Nacht im Stall verbringen. Das Problem dabei: Sie verlernen das Verhalten, das sie im folgenden Jahr zum Schutz der Herde auf der Alp wieder brauchen würden. Auf der anderen Seite gab es laut Boner auch schon Anwohner, die sich Lärmschutz-Fenster einbauen liessen.

Das sei grundsätzlich ja die gleiche Situation wie bei einer lärmigen Strasse. In einigen Fällen sei es den Bauern auch möglich, Herden und Hunde auf einer vom Siedlungsgebiet ausreichend weit entfernten Weide unterzubringen. Oft gehe es bei diesen Streitereien zwischen Nachbarn eigentlich auch gar nicht ums Gebell, sondern um die Frage, ob man die Wiederansiedlung des Wolfes befürwortet oder nicht.

Meistens würden diese Konflikte zwar auf dem Buckel der Hunde ausgetragen, aber im Kern gehe es um etwas anderes. Stichwort: zwischenmenschliche Probleme. «Das Konfliktpotential ist hoch» Ein von Lärmschutzklagen betroffener Bauer ist Ueli Metz aus Mühlehorn GL. «Wenn eine Katze vorbeigeht, müssen die Hunde bellen», sagt Metz. Das Gleiche passiere, wenn ein Fussgänger mit einem Hund vorbeigeht oder wenn nachts ein Fuchs vorbeigeht. «Das Konfliktpotential ist schon hoch», sagt der Bauer. Metz hat schon 20 Lärmklagen am Hals.

«Das geht schon sehr an die Nerven», sagt der Schafbesitzer. Auf die Hirtenhunde verzichten will er jedoch nicht – schliesslich habe er seit ihrer Anschaffung nie mehr einen Wolfsriss gehabt. Als Kompromisslösung bringt Metz die Hunde abends nun jeweils in einen Stall. Grundsätzlich hält er aber fest: «Wer Ja sagt zum Wolf, der muss auch Ja sagen zum Herdenschutzhund.» (noo)

Quelle www.blick.ch

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