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Poschiavo, 3. Februar 2015 – Wer die am 30. Januar in vielen Schweizer Zeitungen erschienene Pressemitteilung des WWF zur Situation der Grossraubtiere in der Schweiz aufmerksam gelesen hat, und die Entwicklung des absurden Projektes der Wiederansiedlung der Grossraubtiere auf dem dicht besiedelten Schweizer Territorium kritisch verfolgt, kann bei dieser Menge an Desinformation nur den Kopf schütteln.

Im Namen der Biodiversität wird heute ein Millionengeschäft gemacht. Mit dem Argument, dass die Grossraubtiere sehr wichtig sind für die Biodiversität, betreibt die Grossraubtierlobby flächendeckende Propaganda. Der WWF treibt Spenden ein, indem er auf die Tränendrüsen der schlecht informierten Bevölkerung besonders in den urbanen Gebieten drückt. Doch das Märchen vom Aussterben der Bären und Wölfe ist längst widerlegt! Was der WWF verschweigt: Der Mensch sorgt mit der Nutzung der Alpweiden, mit der Bewirtschaftung der Bergregionen, mit der Jagd, mit der Pflege der Natur für die Biodiversität. Den Grossraubtieren hingegen entspricht das Umfeld, in dem sie hier leben sollten nicht und sie sind auch nicht vom Aussterben bedroht.

Aber sie richten in unseren dicht besiedelten Alpregionen Schaden an und verursachen der Allgemeinheit enorme Kosten. Warum also engagiert sich der WWF für möglichst positive Berichterstattung zum kontroversen Thema der Wiedereinführung der Grossraubtiere in der Schweiz? Die Antwort ist einfach: 2014 nahm der WWF 45 Millionen Franken ein von Mitglieder- und anderen Beiträgen, Schenkungen, Legaten, Erbschaften, usw. Von diesen 45 Millionen wurden 9,1 Millionen für Kommunikation und Marketing (Beschaffung von Finanzmitteln) eingesetzt, d.h. mehr als 20% der Gelder werden für oft einseitige und nicht wahrheitsgetreue Werbung ausgegeben.

Biodiversitätsgeschäft

Anscheinend ist das «Biodiversitätsgeschäft» auf eine positive Berichterstattung angewiesen, welche die Gefühle der urbanen Bevölkerung anspricht, die ihr Leben zwischen Beton und Asphalt verbringt und sich nach unberührter Natur sehnt. Joanna Schönenberger, Schweizer Bärenexpertin und Verfasserin der Pressemitteilungen des WWF, hebt auch den Erfolg der Unterschriftensammlung zugunsten der Petition «Viva M25» hervor, den sie als starkes Signal für die Akzeptanz der Bären wertet.

Unsere Vereinigung nahm seinerzeit Stellung zu dieser verlogenen Petition mit über 22'000 Unterschriften und bat die Regierung, der Öffentlichkeit mitzuteilen, von wem diese Unterschriften stammen, da Petitionen in unserer direkten Demokratie ein wichtiges Instrument sind. Die Bündner Regierung beantwortete unsere Frage mit der Feststellung, dass von den über 22'000 Unterschriften eine einzige gültig sei: Diejenige von Frau Joanna Schönenberger, welche die Petition bei der Kanzlei abgegeben hatte und gemäss den gültigen Bestimmungen ein einziges Formular unterschreiben musste.

Funktioniert der Herdenschutz?

Ein weiteres sehr umstrittenes Thema im Kanton Graubünden ist die Behauptung: «Der Herdenschutz funktioniert. Die Erfahrungen mit dem Calanda-Rudel zeigen, dass ein Zusammenleben mit Wölfen sehr wohl möglich ist.» Unsere Mitglieder, vor allem jene unserer Vereinigungen in Nordbünden und im Wallis, zeigen jedoch mit vielen Beispielen auf, dass es unmöglich ist, die Herden angemessen zu schützen, ohne Gefahren für andere und enorme finanzielle Investitionen in Kauf zu nehmen. Auf der Alp Ramuz im Calandagebiet kamen für die 370 Schafe umfassende Schutzmassnahmen zur Anwendung: ständige Behirtung, 4 Herdenschutzhunde, 2 Hirtenhunde, konsequentes Einpferchen der Herde in der Nacht. (Dies ist bekanntlich die Ursache für mehr Krankheitsfälle). Ausserdem flossen reichlich Unterstützungsgelder vom CH-Wolf-Projekt (fast 30’000 Fr) und vom WWF sowie weiteren Institutionen für die Verbesserung der Infrastruktur der Alphütten, usw.

Welcher Schafhalter kann sich das leisten? Das wird in der Bilanz des WWF nicht erwähnt! Zu guter Letzt beklagt die Umweltorganisation die Verspätung bei der Umsetzung von Massnahmen für das Zusammenleben von Mensch und Bär im Tessin, im Bergell und im Oberengadin.

Das Münstertal (GR) ist gemäss WWF ein vorbildliches Beispiel. Wir halten fest, dass im Münstertal der Experte lebt, der den WWF berät und dass 2014 weder Bären noch Wölfe anzutreffen waren. Das Puschlav hatte die gleichen Massnahmen getroffen wie im Münstertal und über 70'000 Franken für bärensichere Abfalleimer und für anderes ausgegeben. Der Bär M25 kam trotzdem und versetzte alle Familien mit Kindern, welche auf unseren Maiensässen den Sommer verbringen wollten in Angst und Sorge.

M13 settembre 2012 Val Poschiavo Foto AJF

M13, September 2012, Valposchiavo, Foto AJF Graubünden

Der Bär M25 hat bewiesen (damit steht er gewissermassen auf unserer Seite), dass das einzige mit dreifachem Elektrodraht gesicherte Gehege, nach den Anweisungen des WWF bärensicher gebaut, problemlos überwindbar ist: Anfangs August ist M25 tatsächlich in dieses Gehege eingedrungen und hat zwei Esel getötet, um seine Diät zu bereichern, die nach dem WWF zu 95% vegetarisch ist.

Kosten für die Allgemeinheit

Im Übrigen ist vom WWF kein Wort zu hören von den Kosten für die Allgemeinheit, die von den zwei Bären und von den etwa 27 Wölfen, die sich in der Schweiz aufhalten verursacht werden. Dazu ein Zitat aus der Stellungnahme der Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) zu den Konzepten Wolf und Luchs vom 14. Juli 2014: «Die Kosten des BAFU für den Herdenschutz belaufen sich aktuell auf 1,5 Mio. Fr. und werden auf 3 Mio. Fr. im Jahr 2015 ansteigen (Bericht zur Umsetzung der Motion Hassler).

Die Entschädigungen für Risse an Nutztieren bewegen sich in der Grössenordnung von ca. 100'000 Fr. pro Jahr. Zudem entstehen beim Bundesamt für Landwirtschaft geschätzte 2 Mio. Fr. an Aufwendungen für den Herdenschutz. Damit kosten die rund 20 Wölfe, die es derzeit in der Schweiz gibt, rund 5 Mio. Fr. oder umgerechnet 250'000 Fr. pro Wolf und Jahr. Zu diesen Zahlen ist zudem zu bemerken, dass der Schutz der Herden unzureichend ist und eigentlich weiter ausgebaut werden müsste, erst recht, wenn der Wolf sich weiter ausbreitet.» Nicht in allen Kantonen werden die enormen Zusatzkosten der Jagdinspektorate ausgewiesen. Der Kanton Graubünden hatte allein im Jahr 2013 71`000.- Fr. Mehraufwand.