Chur, 20.05.2015 - Seit zehn Jahren ist der Kanton Graubünden wieder Bärenland. Elf Bären, 113 gerissene Haustiere und viel Lehrgeld sind die Bilanz von einem Jahrzehnt Bär in Graubünden

Chur. – Am 28. Juli 2005 ist der erste Braunbär seit 101 Jahren auf Schweizer Boden gesichtet worden. Die Schweiz war entzückt über JJ2 alias «Lumpaz». Es folgte ein Medienhype sondergleichen. Heute, zehn Jahre nach diesem Ereignis, ist von Enthusiasmus nur noch wenig zu spüren.

«Man musste feststellen, dass es deutlich schwieriger ist, einen Bären in einer Kulturlandschaft zu haben, als man sich am Anfang vorgestellt hatte», sagt Georg Brosi, Vorsteher des Amts für Jagd und Fischerei Graubünden. Die Räume seien für den Bären zu eng und die Verlockung zu gross, sich seine Nahrung in der Nähe des Menschen zu suchen. Auf das Konto der Bären gehen bisher nachweislich 113 Haustiere. An die Landwirtschaft (inklusive Imker) wurden Schäden im Betrag von knapp 100 000 Franken ausbezahlt. 

Zwei Abschüsse bei elf Bären

Von allen DNA identifizierten Bären – es waren insgesamt sieben, waren alle männlich.  Zwei Bären mussten seit 2005 in Graubünden erlegt werden, beides Bären, die gemäss «Konzept Bär Schweiz» als sogenannte «Risikobären» eingestuft werden mussten. JJ3 und M13 hatten keine Menschenscheu mehr, näherten sich immer wieder den Siedlungen und richteten Schäden an. Heute steht JJ3 ausgestopft im Bündner Naturmuseum.

JJ3 Naturmuseum Chur

JJ3 ausgestopft im Bündner Naturmuseum

Chronik zehn Jahre Bären in Graubünden

2005: Im Juli 2005 wandert ein Bär aus dem italienischen Trentino in die Val Müstair ein. Es ist JJ2, der von der Zeitung Blick «Lumpaz» getauft wird.

2007: Zwei Bären tauchen in Graubünden auf: JJ3 – der Bruder von JJ2 – und der menschenscheue MJ4.

2008: JJ3 wird im April 2008 aufgrund seiner fehlenden Scheu vor Menschen in Mittelbünden erlegt. MJ4 überquert die Grenze in Richtung Italien noch im Frühling 2008.

2009: Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) publiziert das «Konzept Bär Schweiz».

2010: Im Juni 2010 wandert erneut ein Bär in die Schweiz ein. Es ist M2.

2011: Zwei Bären tauchen in Graubünden auf, einer in Susch, der andere in Brusio, beide ohne identifizierende DNA (bei Bär Brusio vermutlich M7)

2012: Bär M13 nähert sich im Puschlav sehr den menschlichen Siedlungen. Er wird als «Risikobär» eingestuft. In Miralago erschreckt M13 ein 14-jähriges Mädchen.

2013: M13 wird getötet.

2014: Mit M25 wandert im Mai 2014 erneut ein Braunbär nach Graubünden ein. Der Bär hält sich nur kurze Zeit in der Schweiz auf und wandert Ende Mai 2014 zurück nach Italien. Innerhalb eines Monats sammelt der WWF Schweiz 22 509 Unterschriften für seine Petition «Viva M25». Die Behörden werden dazu aufgefordert, den Braunbären nicht wie seine Vorgänger töten zu lassen. Im August 2014 reisst M25 im Puschlav zwei Esel auf der Weide. In der Val Plazèr bei Tarasp taucht ein unbekannter, sehr scheuer Bär auf.

2015: Am Auffahrtsmorgen entdecken Autofahrer im Puschlav. Auffallend ist seine helle Fellfarbe. Seine Identität ist noch nicht bekannt. (fh)

  • Quelle: suedostschweiz.ch
  • Datum: 21.05.2015, 07:53 Uhr
  • Webcode: 3247551
Beitragsaufrufe
1186450

Aktuell sind 44 Gäste und keine Mitglieder online