Im vergangenen Jahr konkretisierten sich unsere Befürchtungen bezüglich Verbreitung des Wolfes in unserem Kanton weiter: Zusätzlich zum Calandarudel und zum westlich angrenzenden Ringelspitzrudel (Surselva), das bereits im letzten Jahr Nachwuchs hatte, bildeten sich zwei weitere Rudel, eines im Gebiet des Beverin und ein weiteres im Gebiet Obersaxen Mundaun. Mit nun über 30 Wölfen im Kanton, nahm auch die Zahl der Nutztierrisse weiter zu und viele Tierhalter sehen sich mit grossen Problemen konfrontiert.

von Rico Calcagnini, Präsident

Positiv zu vermelden ist die gelungene Informationsveranstaltung «Der Wolf ist überall» vom 17. Mai in der Arena Cazis, die auf Initiative unseres Vereins, zusammen mit dem Bündner Bauernverband, dem Schafzuchtverband, dem Ziegenzuchtverband und dem Älplerinnen- und Älplerverein stattgefunden hat. Es kamen über 300 Interessierte. Mit grosser Mehrheit wurde eine Resolution an die Bundesrätin Simonetta Sommaruga und an den Direktor des BAFU Marc Chardonnens verabschiedet. Darin werden sie aufgefordert, mehr Verantwortung zu übernehmen in verschiedenen Bereichen, welche die Probleme mit den Grossraubtieren betreffen.

Wie in den letzten beiden Jahren engagierten wir uns im September 2019 an der europaweiten Solidaritätsaktion mit der Bevölkerung, die an den von Grossraubtieren verursachten Schäden leidet. In Graubünden organisierten wir zwei Mahnfeuer: in Pany, Prättigau und auf der Alp Sassiglione oberhalb von Poschiavo.

Seit Juni hat der Plantahof mit dem vom Amt entworfenen Meldesystem per SMS begonnen. Damit wurden Wolfsbeobachtungen und Attacken den Tierhaltern in den betroffenen Regionen gemeldet. Wir bekamen damit einen besseren Überblick über die Wolfsrisse während der Sommermonate. So wussten wir beispielsweise, dass von Mitte Juni bis Mitte September mindestens 115 Schafe und Geissen vom Wolf gerissen wurden – eine Folge der Rudelzunahme. Nach dieser katastrophalen Bilanz hat das Bundesamt für Umwelt auf Antrag des Kantons den Abschuss von vier jungen Wölfen bewilligt. Drei wurden abgeschossen, ein vierter wurde von einem Auto erfasst und musste schwer verletzt erlegt werden.

In diesem Jahr nahm die politische Debatte um den Schutz der Grossraubtiere eine wichtige Hürde: Nach vielen Beratungen wurde am 27. September das revidierte eidgenössische Jagdgesetz vom Parlament angenommen. Leider haben Natur- und Tierschutzorganisationen (WWF Schweiz, Zoo Schweiz, Pro Natura, Gruppe Wolf Schweiz, Bird Life Schweiz, Schweizer Tierschutz, usw.) das Referendum ergriffen dagegen. Die Gegner des Gesetzes sind gut aufgestellt: sie sammelten in nur zwei Monaten 70'000 Unterschriften, sie sind online und offline kampagnenerprobt und mit hunderttausenden von Mitgliedern sehr finanzstark. Befürworter des Gesetzes, das voraussichtlich am 17. Mai zur Abstimmung kommt, sind: JagdSchweiz, Schweiz. Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete SAB, Schweiz. Bauernverband SBV, Schweizer Alpwirtschaftlicher Verband, AGORA (welscher Bauernverband), Schweiz. Schafzuchtverband, Schweiz. Ziegenzuchtverband, Mutterkuh Schweiz, Vereinigung Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere, Schweizerischer Gewerbeverband ua.

Trotz vielen Befürwortern wird es nicht einfach sein und viel Einsatz benötigen, die Mehrheit der Bevölkerung zu überzeugen (kein Ständemehr): die Jagd ist in der Bevölkerung akzeptiert und in ländlichen Gebieten gut verankert, wir haben gute Argumente und ein grosses Potenzial an Leuten, die sich aktiv am Abstimmungskampf beteiligen können, z.B. Jäger, Bauern, Grossraubtierkritiker, Bergler, Älpler, Tierzüchter, Bergliebhaber. Unsere Vereinigung ist mit ihrer Dachorganisation Lebensräume Schweiz ohne Grossraubtiere, die ihre Geschäftsstelle bei der SAB in Bern unterhält, gut vernetzt. Die Abstimmungskampagne wird von JagdSchweiz, SAB und SBV geleitet.

Jedes Vereinsmitglied kann sich an der Kampagne aktiv beteiligen, z.B.:

• mit der Einzahlung eines zusätzlichen Beitrages zu den 30.- SFR Mitgliederbeitrag;
• mit Leserbriefen in den lokalen Zeitungen;
• mit der Weitergabe von Informationen in Familie, Verwandtschaft und im Freundeskreis;
• mit der Aufforderung an alle Bekannte abstimmen zu gehen;
• mit der Teilnahme an Verteilaktionen von Flugblättern.

Das Gesetz ist modern und zukunftsorientiert, weil es endlich die Grundlagen schafft, Grossraubtiere zu regulieren. Die Kantone erhalten dafür mehr Kompetenzen und können die Raubtiere unter bestimmten Bedingungen zum Abschuss frei geben, bevor sie grosse Schäden anrichten, wenn nötig auch in Wildschutzgebieten (wie es bei anderen jagdbaren Arten bereits der Fall ist).

Weitere Informationen sind laufend auf der offiziellen Home-Page des eidgenössischen Abstimmungskomitees Pro Jagdgesetz: www.ja-jagdgesetz.ch

Wir sind zuversichtlich, dass es uns mit der Kampagne gelingen wird, einen wichtigen Beitrag für den Schutz von Menschen, Tieren und Natur zu leisten, unabhängig davon, ob wir die Abstimmung gewinnen oder nicht. Wir bleiben in jedem Fall am Ball!

Buchen, Januar 2020 Rico Calcagnini, Präsident

 

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