Am 17. Mai kommt das revidierte nationale Jagdgesetz zur Abstimmung. Für Graubünden ist von zentraler Bedeutung, dass das Jagdgesetz nach 32 Jahren an die heutigen Gegebenheiten angepasst wird.

G A S T K O MM E N TA R von Martin Candinas in der Bündner Zeitung über die nationale Abstimmung vom 17. Mai

Das neue Jagdgesetz nützt Tier, Natur und Mensch. So werden überregionale Wildtierkorridore festgeschrieben, was sowohl die natürliche Wanderbewegung von Wildtieren sicherer macht, wie auch mögliche Schäden für Land- wie Forstbesitzer reduziert. Auch ermöglicht das Gesetz finanzielle Unterstützung für Arten- und Lebensraumforderung in Wildtierschutzgebieten sowie Wasser- und Zugvogelreservaten.

Das neue Jagdgesetz wird auch klare Regeln im Umgang mit dem Wolf schaffen. Die vorgesehene Regulierung ist ein Kompromiss zwischen den extremen Forderungen wie die volle Jagdbarkeit und dem heutigen fast totalen Schutz. Die Frage Pro oder Contra Wolf stellt sich mit diesem Gesetz nicht. Vielmehr geht es um die Frage: Wollen wir die rasche Zunahme der Rudelbildung in den Bergregionen der Schweiz einfach so ungebremst hinnehmen? Oder wollen wir steuernd eingreifen, sodass wir scheue Wölfe haben, welche die Dörfer, die Menschen und seine Nutztiere sowie den Herdenschutz respektieren? Für mich ist klar, dass die Kantone die Möglichkeit er halten müssen, bei Bedarf sorgfältig steuernd einzugreifen. Damit erhöhen wir die Sicherheit für die Menschen, aber auch die Akzeptanz des Wolfes. Die Wildhüter der Kantone - es sind nicht die Jager - müssen mehr Kompetenzen erhalten. Das Wildtiermanagement beim Steinbock zeigt auf, dass die·Kantone bereits viele Jahre ihre Verantwortung im Umgang mit einer geschützten Tierart sehr wohl wahrnehmen.

Wenn wir immer wieder hören, dass Herdenschutzhunde eingesetzt werden sollen, so bin ich damit grundsätzlich einverstanden. Der Herdenschutz funktioniert aber nur, wenn die Wölfe scheu bleiben. Die Erfahrung zeigt - dies wurde uns auch vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) bestätigt. - dass die Wolfsrudel lernen, diese Massnahmen zu umgehen. Die Wölfe bleiben nur scheu, wenn sie durch einzelne Abschüsse lernen, dass sie den Menschen und seine Einrichtungen meiden sollen. Mit der Revision des Jagdgesetzes wird der Herdenschutz keinesfalls geschwächt oder gar abgeschafft. Im Gegenteil! Er wird gestärkt, weil zukünftig nur noch Schaden bezahlt werden, wenn die Landwirte die zumutbaren Herdenschutzmassnahmen ergriffen haben. -

Es geht aber nicht nur um die Landwirtschaft, sondern auch um die Attraktivität unserer Bergregionen für unsere einheimische Bevölkerung, aber auch für den Tourismus!

Der Wolfsbestand ist in den vergangenen Jahren sehr stark angewachsen und wird weiter zunehmen. Das bereitet grosse Sorgen und Ängste. Aufgabe der Politik ist es, rechtzeitig zu handeln. Agieren statt reagieren. Das Parlament hat dies gemacht. Wir haben eine massvolle Lösung für eine echte Herausforderung. Der Wolf bleibt auch mit dem neuen Gesetz geschützt, der Bestand wird von den Wildhütern der Kantone so gesteuert, dass wir scheue Wolfe haben, die nicht in die Dörfer kommen und die den Herdenschutz respektieren.

Das neue Gesetz ist ein typisch helvetischer Kompromiss, der auch sehr viele Bestimmungen für den Arten- und Lebensraumschutz sowie für den Tierschutz beinhaltet .Sollte das Gesetz abgelehnt werden, beginnt die Debatte von vorne. Dies mit viel tieferen Gräben zwischen Schutz- und Nutzanliegen und zwischen Stadt und Land. Dies müssen wir verhindern. Darum empfehle ich Ihnen ein deutliches Ja zum neuen Jagdgesetz!

MARTIN CANDINAS ist seit2011 CVP-Nationalrat. Er wohnt in Chur und Rabius.

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