Poschiavo, 2. Dezember 2015 - Mit Genugtuung nimmt der Verein Lebensräume ohne Grossraubtiere davon Kenntnis, dass die Kantone Graubünden und St. Gallen beim BAG den Abschuss von zwei Calandawölfen beantragt haben

Pressemitteilung des Vereins Lebensräume ohne Grossraubtiere

Dem Beschluss der beiden Kantone sind jahrelange Beobachtungen und Abklärungen vorausgegangen. Ihr Entscheid stützt sich auf die vom Bundesrat am 15. Juli 2015 in Kraft gesetzte Ergänzung der entsprechenden Jagdverordnung. Es ist erfreulich festzustellen, dass die Politik die Sorgen der Bevölkerung im gesamten Calandagebiet ernst nimmt. Bekanntlich haben die Wölfe des ersten Schweizer Rudels, aber nicht nur diese, die Scheu vor den Menschen verloren und nähern sich vermehrt den Siedlungen, was für die Bewohner und die Tiere eine ständige Bedrohung darstellt. Bestimmt ist mit diesem Schritt der kantonalen Behörden das Problem der Wiederansiedlung des Alpenraums mit Grossraubtieren nicht gelöst, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Unsere Vereinigung wird sich weiterhin für den Schutz der Bevölkerung und der Nutztiere einsetzen und dafür sorgen, dass der Wolf ganz aus unserem Lebensraum verbannt wird.

Rico Calcagnini, Pressesprecher Verein Lebensräume ohne Grossraubtiere

Graubünden, 1.12.2015 - Der Bündner Naturfotograf, Dokumentarfilmer und Autor Peter A. Dettling befasst sich seit 2013 regelmässig mit den Wölfen am Calanda. Die Erforschung der Calanda-Wölfe soll das letzte Kapitel seines Wolfsprojekts Amarok werden. Dettling warnt vor Wolfsabschüssen und plädiert vielmehr für Aufklärung.

von Stefan Borkert, Thurgauerzeitung 

 Herr Dettling, wann waren Sie zuletzt am Calanda unterwegs?

Peter A. Dettling: Seit 2013 bin ich regelmässig im Gebiet der Calanda-Wölfe unterwegs. Seit April dieses Jahres wohne ich sogar im Gebiet, damit ich tagtäglich Erfahrungen vor Ort sammeln kann. So auch heute.

Peter Dettling

Peter A. Dettling Autor, Dokumentarfilmer und Wolfsforscher
aus Sedrun, lebt auch in Kanada
(Bild: Stefan Borkert)

Und haben Sie Wölfe gesehen?

Dettling: Wolfsobservationen im Freiland sind extrem schwierig und sehr zeitraubend, gerade hier am Calanda. Speziell Wölfe habe ich heute leider nicht gesehen, dafür aber frische Spuren entdeckt. In der Vergangenheit war ich aber auch schon erfolgreicher.

Sie haben die Wölfe am Calanda also schon oft beobachten können. Jetzt wollen die Bündner und St.Galler Wildhut zwei Jungwölfe abschiessen. Macht das Sinn?

Dettling: Aus meiner Sicht und nach meiner Erfahrung macht das keinen Sinn. Es gibt auch wissenschaftliche Studien, die vor solchen Teilabschüssen, wie sie jetzt geplant sind, warnen, weil sie kontraproduktiv sind. Viel wichtiger wäre es, die Bevölkerung darüber aufzuklären, was normales Wolfsverhalten ist. Dazu muss man aber zuerst mal wissen, was normales versus abnormales Wolfsverhalten ist.

lese weiter und stimme ab auf www.thurgauerzeitung.ch

Vortrag Wolf 2015

Bitte Termin vom 08.12.2015 in Thun reservieren und möglichst viele Leute aus der Region, Romandie und dem Wallis mobilisieren.

Wir aus Graubünden und St.Gallen werden mit einer Delegation anwesend sein!

Es kann nicht sein dass die Städtler entscheiden, wie wir auf unsere Berge leben sollen.

Eingereichter Text: Angesichts der steigenden Problematik, die der Wolf in der Schweiz und speziell im alpinen Raum darstellt möchte ich vom Bundesrat wissen, wie teuer das Wolfskonzept den Steuerzahler jährlich zu stehen kommt. Es sind auch die indirekten Kosten, welche die Wiedereinführung des Wolfs in der Schweiz verursacht, aufzuführen. Teilt der Bundesrat meine Ansicht, dass diese Kosten unverhältnismässig gross sind?

Eingereicht im Nationalrat von Freysinger Oskar

Freysinger Oskar

 

Antwort des Bundesrates vom 18.11.2015

Der Umgang mit dem Wolf in der Schweiz wird durch das eidgenössische Jagdgesetz (JSG; SR 922.0) und durch die dazu gehörende eidgenössische Jagdverordnung (JSV; SR 922.01) geregelt.

Der Artikel 10bis JSV verpflichtet das Bafu zum Erstellen von Konzepten für bestimmte geschützte Tierarten, insbesondere auch für den Wolf. Das Konzept Wolf Schweiz stellt eine Vollzugshilfe des Bundes dar. Es konkretisiert die Bestimmungen des eidgenössischen Jagdrechts insbesondere bezüglich

  • (a) des Schutzes und der Überwachung des Wolfsbestandes,
  • (b) der Verhütung von Schäden und von Gefährdungssituationen,
  • (c) der Förderung von Verhütungsmassnahmen,
  • (d) der Ermittlung von Schäden und Gefährdungen,
  • (e) der Entschädigung von Verhütungsmassnahmen und Schäden sowie
  • (f) der internationalen und interkantonalen Koordination der Massnahmen.

Die für den Bund entstehenden Kosten werden insbesondere verursacht durch:

  • die Überwachung des Wolfsbestandes (insbesondere genetische Analysen der von den Kantonen gesammelten Proben): im Durchschnitt etwa 200 000 Schweizerfranken pro Jahr
  • den Herdenschutz (Herdenschutzmassnahmen gemäss Artikel 10ter und 10quater JSV): etwa 3 Millionen Schweizerfranken pro Jahr
  • die Schadenvergütung von Nutztierrissen: im Durchschnitt etwa 100 000 Schweizerfranken pro Jahr.

Die Kantone übernehmen 20 Prozent der Schadenvergütungen. Zudem sind sie für die Integration des Herdenschutzes in die landwirtschaftliche Beratung und für die Ermittlung von Schäden verantwortlich. Sowohl beim Bund wie bei den Kantonen werden die anfallenden Mehrarbeiten über den bestehenden Personaletat abgewickelt.

Um das Herdenschutzprogramm aufzubauen, wurde für drei Jahre befristet eine halbe Stelle gesprochen. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die monetären Kosten beim Bund von rund 3,3 Millionen Schweizerfranken pro Jahr gerechtfertigt sind. Dies, weil sie nötig sind, damit die Bestimmungen des Jagdrechts umgesetzt werden können, ohne nicht tragbare Auswirkungen auf die Landwirtschaft im betroffenen Gebiet zu verursachen.

Der Wolf kostet den Bund rund 3,3 Millionen Franken pro Jahr. Anscheinend hat der Bundesrat noch nicht erkannt, dass bei der von ihm geförderten Wolfspolitik die Schafhaltung im Berggebiet eingeht. Die Auswirkungen dieser Wolfspolitik auf die Berglandwirtschaft sind gross. Wir können unsere Alpen und Weiden, welche Eigentum sind, nicht mehr nutzen.

von Daniel Steiner, Niedergampel

Viele Betriebe werden aufgegeben. Die zusätzlichen Arbeiten, welche durch die Wolfspräsenz entstehen, sind nicht zu bewältigen und stehen in keinem Verhältnis zu Kosten und Nutzen. Werte Bundesräte, macht den jährlichen Ausflug einmal auf eine Hochgebirgsalp, damit Sie sehen, wie wichtig es ist, dass diese Alpen weiterhin erhalten, genutzt und bewirtschaftet werden.

Der Anblick von gerissenen, verletzten und zu Tote gejagten Schafen, ob mit Herdenschutz oder freiem Weidegang gesömmert, würde die Meinung über den braven Wolf sicher ändern. 3 Millionen Franken werden für Herdenschutzmassnahmen ausgegeben. Herdenschutzmassnahmen die schon bei Einzelwölfen versagen, geschweige denn, wenn Rudel auf die Jagd gehen.

Beispiele von nicht funktionierendem Herdenschutz gibt es zur Genüge. Weitere 100000 Franken kostet die Schadenvergütung von Nutztierrissen und 200000 Franken die Überwachung des Wolfsbestandes. Was leider in diesen Angaben fehlt, sind die Kosten der gut bezahlten Wolfsspezialisten von BAFU, KORA, AGRIDEA usw. Würden die Jahresgehälter dieser Spezialisten miteinberechnet, sieht die Endabrechnung anders aus.

Wie viel Geld die ganze Wolfspolitik, an welcher der Bundesrat verbissen festhält, die Kantone sowie jeden einzelnen Schafbesitzer kostet, wird nicht erwähnt. Sofort werden die jährlichen Direktzahlungen an die Schafhalter ins Spiel gebracht. Dies ist eine Frechheit und hat mit der ganzen Wolfspolitik wenig oder nichts zu tun. Zu welchen Bedingungen Direktzahlungen bezahlt werden ist in der AP 2014–2017 klar geregel.

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