Bern, 10. September 2015 - In Bern wurde heute der Verein „Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere“ gegründet. Mit der Gründung des nationalen Vereins wollen die Mitglieder aufzeigen, dass die Problematik der Grossraubtiere nicht nur ein paar abgelegene Gebiete sondern die ganze Schweiz betrifft. Mit der Vereinsgründung ist der Aufruf an die Bundesverwaltung verbunden, die Beschlüsse des Parlamentes umzusetzen.

Der neue nationale Verein will den Anliegen der Landwirtschaft und weiterer Kreise für einen Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere auf nationaler Ebene zum Durchbruch verhelfen. Als Ko-Präsidenten des neuen Vereins wurden die beiden Grossräte Georges Schnydrig (VS) und Germano Mattei (TI) gewählt.

Logo CH ohne Grossraubtiere 

Der neue Verein will den Anliegen der Landwirtschaft, der Jäger, des Tourismus und anderer Wirtschaftszweige gegenüber der Präsenz und den Schäden von Grossraubtieren wie Wolf, Bär, Luchs und Goldschakal stärker Beachtung verschaffen. Diese Grossraubtiere breiten sich in der Schweiz immer weiter aus. Es handelt sich somit nicht mehr nur um ein lokales Problem, sondern um ein Problem, welches die ganze Schweiz betrifft. Der neue Verein will einerseits gegenüber der nationalen Politik den Druck erhöhen, endlich eine Lösung für die Problematik zu finden. Die Kantone sollen die Bestände der Grossraubtiere selber regeln können. Andererseits will der Verein die Öffentlichkeit aufklären über die durch diese Grossraubtiere verursachten Probleme.

 

Verein wird von der Basis her getragen

Mitglieder des neu gegründeten nationalen Vereins sind die verschiedenen bereits bestehenden kantonalen und regionalen Vereine aus den Kantonen Freiburg, Graubünden, St. Gallen, Tessin, Waadt und Wallis. In weiteren Kantonen laufen derzeit Bestrebungen zur Gründung weiterer kantonaler Vereine zum Schutz gegen Grossraubtiere. Diese verschiedenen kantonalen Vereine bleiben unabhängig vom neuen nationalen Verein bestehen und verfolgen in ihrem jeweiligen Gebiet weiterhin vergleichbare Zielsetzungen. Wie gross der Handlungsbedarf in den betroffenen Regionen ist, zeigt sich nur schon daran, dass sich beisielweise im Wallis innert weniger Wochen mehr als 1'500 Personen zur Mitgliedschaft im kantonalen Verein bereit erklärten.

 

Georges Schnydrig und Germano Mattei als Ko-Präsidenten gewählt

Mit dem Walliser Grossrat Georges Schnydrig und dem Tessiner Grossrat Germano Mattei konnte der Verein zwei profilierte Persönlichkeiten für das Ko-Präsidium gewinnen. Georges Schnydrig präsidiert auch den Verein Lebensraum Wallis ohne Grossraubtiere und hat sich bereits stark in der Frage der Grossraubtiere engagiert. Germano Mattei ist Mitinitiant des Tessiner Vereins und setzt sich mit seiner politischen Partei MontagnaViva für die Bergregionen im Kanton Tessin ein. Die beiden Ko-Präsidenten erklärten denn auch übereinstimmend anlässlich der Medienorientierung, dass eine Lösung für die Problematik der Grossraubtiere dringend sei. Die Kantone müssen die Möglichkeit erhalten, die Bestände an Grossraubtieren selbständig zu regulieren. Der Wolf ist längst keine vom Aussterben bedrohte Tierart mehr. Zudem bestehen ernstliche Zweifel, ob es sich bei den Wölfen in der Schweiz wirklich um reine Wölfe oder nicht vielmehr um Mischlinge handelt, die nicht schützenswert sind. Diese Frage muss von unabhängiger Stelle unbedingt neutral und vertieft geprüft werden. Die Schäden, die der Wolf für die Landwirtschaft, die Jagd und den Tourismus verursacht, sind nicht länger tragbar. Neben den beiden Ko-Präsidenten nehmen folgende Personen Einsitz in den Vorstand des neuen Vereins: Georges Junginger (SG), Hermann Plump (GR), Roger Schuwey (FR) und Jean-François Würsten (VD).

 

Parlamentsauftrag umsetzen

Die Vereinsgründung ist Ausdruck davon, dass die Betroffenen von der unhaltbaren Situation mit den Grossraubtieren genug haben. Die Politik ist gefordert, den vom Parlament beschlossenen Weg umzusetzen. Mit der Überweisung der Motion Fournier im Jahr 2010 hat das Parlament bereits entschieden, wie in Sachen Wolf weiter vorzugehen sei. Bei der Berner Konvention sei ein Vorbehalt bezüglich Wolf anzubringen. Wenn dies nicht erfolgreich ist, soll die Schweiz aus der Berner Konvention austreten und bei einem späteren Wiedereintritt einen Vorbehalt zum Wolf anbringen, so wie es zuvor schon elf andere europäische Staaten getan haben. Es ist aus Sicht des Vereins unverständlich, dass die Bundesverwaltung diesen Beschluss des Parlamentes nicht umsetzt.

 

Schäden für Landwirtschaft und Tourismus

Wie Vorstandsmitglied Herman Plump anhand von Bildern und Erlebnisberichten eindrücklich aufzeigte, verursachen Grossraubtiere enorme Schäden an der Landwirtschaft. Die Situation ist in einigen Regionen bereits derart eskaliert, dass Alpen nicht mehr bestossen werden. Im Weisstannental (SG) wurden im vergangenen Jahr mehrere Alpen nicht mehr bewirtschaftet. Im Oberwallis mussten die Schafe in der Augstbordregion und im Turtmanntal frühzeitig von der Alpe genommen werden, um weitere Schäden zu vermeiden. Selbst Herdenschutzmassnahmen wie Behirtung, Herdenschutzhunde und Elektrozäune haben versagt. Dies hat nicht nur Folgen für die betroffenen Landwirte, die teils daran denken, ihren Beruf an den Nagel zu hängen. Auch für den Tourismus hat eine derartige Entwicklung Konsequenzen. Die betroffenen Alpen drohen zu verganden und verbuschen mit einer entsprechenden Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und einer erhöhten Anfälligkeit für Naturgefahrenereignisse wie Murgänge. Dort wo Herdenschutzhunde zum Einsatz kommen, drohen Konflikte mit Wanderern und Bikern. Der Wolf verliert zunehmend seine Scheu und dringt auch in besiedelte Gebiete vor. Im Winter 2014 wurden in Turtmann Pferde im Talgrund angegriffen, im Bünderland jagten Wölfe Rehe durch die Dörfer.

 

Die Situation in Europa

Die Schweiz ist nicht als einziges Land mit Konflikten mit Grossraubtieren konfrontiert. Schätzungen zu Folge gibt es in Europa rund 20'000 Wölfe. Diese hohe Zahl ist übrigens auch ein Indiz dafür, dass die Wölfe nicht mehr vom Aussterben bedroht sind und der Schutzstatus herunter gesetzt werden kann. Die Wölfe verursachen in den betroffenen Ländern massive Schäden. In Frankreich wurden beispielsweise letztes Jahr 8’200 Schafe getötet. Selbst die sozialistische Umweltministerin Ségolène Royal musste daraufhin die Abschusskriterien für die Wölfe lockern und den Schutzstatus des Wolfes von streng geschützt auf geschützt herabsetzen. In letzter Zeit wurden auch vermehrt Fälle bekannt, in denen es sogar zu Übergriffen auf Menschen gekommen ist. So wurde in diesem Frühling in Russland eine Frau von Wölfen getötet, in Sibirien wurde eine 55 jährige Frau von einem Bären schwer verletzt, ebenso wurde im Mai ein Jogger in Südtirol von einem Bären angegriffen und schwer verletzt. In Deutschland wurde im April eine junge Reiterin von einem Rudel Wölfe verfolgt. So weit muss es in der Schweiz nicht kommen. Noch ist Zeit zum Handeln bevor auch hier Übergriffe auf Menschen statt finden.

 

Nächste Schritte

Als nächstes will der Verein mit weiteren Kreisen auf der nationalen Ebene Kontakt aufnehmen, um diese über die Anliegen des Vereins zu informieren und Allianzen aufzubauen.

 

Auskunft erteilen:

  • Georges Schnydrig, Ko-Präsident des Vereins „Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere“. Tel. 078 736 62 58
  • Germano Mattei, Ko-Präsident des Vereins „Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere“. Tel. 079 428 40 59

 

06.09.2015 - Die Wölfe kehren nach Deutschland zurück. Die Tiere dürfen nicht gejagt werden, die Population wächst rasch. Naturschützer sind begeistert. Doch sind Angriffe auf den Menschen wirklich ausgeschlossen?

Von Stefan Aust und Detlev Konnerth

Quelle: www.welt.de

Die Videos kursieren im Netz, verbreitet von Freund und Feind. Für die einen Triumph der Willkommens-Natur. Für die anderen Beleg für den kompletten Irrsinn einer wölfischen Ansiedlungspolitik. Es geht um den Wolf, das räuberische Symbol deutscher Vergangenheit - von Rotkäppchen bis Adolf Hitler, den seine Freunde "Wolf" nannten. Sie sind wieder da, als Zuwanderer aus dem Osten oder - wie manche auch behaupten - als Ausrücker oder Freigelassene aus deutschen Wolfsgehegen. Dokumentiert ist allerdings bisher nur ein einziger Fall.

Woelfe Deutschland

Gut dreihundert Wölfe sollen es in Deutschland inzwischen sein, mit erheblichen Zuwachsraten. Es ist kein Märchen, dass sich inzwischen Begegnungen zwischen Wolf und Mensch häufen. Im Land und auf der Heide, aber auch mitten im Dorf. Waren es vor kurzem noch einzelne Wölfe, so treten sie inzwischen auch rudelweise auf, wie ein Video aus der Lüneburger Heide dokumentiert. Fünf Wölfen traben an einem Trecker vorbei, ohne sich vom Lärm des Motors oder dem Geklapper der Tür der aus der Ruhe bringen zu lassen. Sie bilden geschickt eine Kette, da freut sich der Bauer, dass er hoch und sicher in der Kabine seines Traktor sitzt - und ein Smartphone dabei hat.

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Poschiavo, 06.09.2015 - Hirte Titus Zangger hütet auf der Puschlaver Alp Valüglia 500 Tiere. Anfangs Juli fiel der Wolf erstmals über seine Herde her und riss acht Schafe. Bereits eine Woche später zerfleischte der Wolf weitere Schafe

Von Myrte Müller

Der Wolf ist auf dem Vormarsch: Vor rund einer Woche tappt ein Zürcher Wolf in eine Fotofalle. Im Wallis reissen zwei Wölfe 82 Tiere. Im Kanton Uri räubert M58 über 30 Schafe. So viele tötet auch M57 im Puschlav. Die Behörden mahnen die Bauern, auf ihre Herden aufzupassen. Doch das ist gar nicht so einfach.

Titus Zangger

Titus-Zangger auf dem Alp Valüglia

25 der von M57 getöteten Schafe gehörten zur Herde von Titus Zangger (67). Auf der Puschlaver Alp Valüglia hütet er 500 Tiere. Doch der Alpfrieden ist dahin, Zangger entdeckte immer wieder Schafskadaver. «Manche waren angefressen. Andere hatte der Wolf an den Hinterläufen gepackt, wiederum andere wurden über den Hang gehetzt und stürzten zu Tode. Sogar mein Lieblingslamm war dabei», sagt Titus Zangger.

Zangger besitzt einen extra für ihn angefertigten Hirtenstock. «Er hat eine scharfkantige Eisenspitze», erklärt der gelernte Kaufmann. «Wenn der Wolf zu nahe kommt, dann steche ich einfach zu. Ein Gewehr darf ich ja nicht benutzen.»

Anfang Juli fiel der Wolf erstmals über seine Herde her. «Ich war von der Alp zur Hütte abgestiegen. Am Morgen sah ich eine Gruppe Schafe am Tor. Ihre Augen waren voller Angst. Sie suchten Zuflucht bei mir.» Zangger steigt zur Alp auf. «Da sah ich das Desaster: acht tote Schafe, verteilt über das ganze Gebiet.»

Eine Woche später, am 15. Juli, findet Titus Zangger ein zerfleischtes vier Monate altes Lamm. Dem Muttertier hatte der Wolf in die Schnauze gebissen. Wenig später erneute Risse. Diesmal zwei Lämmer und ein Muttertier. «Wenn du das siehst, kocht die Wut in dir hoch. Mir kamen die Tränen. Ich kenne die Tiere. Man hegt und pflegt sie ja nicht, damit der Wolf sie frisst.»

M57 ist ein alter Bekannter. 2015 gehen zehn Weidetiere im Tessiner Malvagliatal auf sein Konto. Dann zog er weiter – bis ins bündnerische Puschlav. Seit Wochen treibt Zangger seine Herde abends in einen Pferch. «Eine Sauarbeit. Und eine Tierquälerei. Die Schafe bekommen nicht genug zu fressen, weil sie zu früh von der Weide müssen.» Titus Zangger sieht nur eine Lösung: «Richten die Räuber zu viel Schaden an, müssen sie erlegt werden, sonst wird hier niemand mehr Tiere hüten.»

Quelle: www.blick.ch

 

Poschiavo, 30.08.2015 - Nach mehreren Wolfrissen im Puschlav sorgen sich die Hirten um ihre Schafe. Schafhirt Titus Zangger kritisiert das Wolfkonzept. Er findet, das Raubtier habe alle Rechte, die Schafe keine

von Pierina Hassler

Titus Zangger ist Schafhirte aus Leidenschaft: «Es gibt nichts Erfüllenderes, als auf diese genügsamen Tiere achtzugeben. Sie zu hegen und zu pflegen.» Seit vier Jahren sömmert Zangger auf der Puschlaver Alp Vaüglia hoch über Brusio. Das Weidland umfasst rund 1000 Hektaren, teilweise über die Landesgrenze hinaus bis nach Italien. Anfang Sommer ging Zangger mit 345 Schafen von Engadiner Bauern z’Alp. Mittlerweile sind es 25 Tiere weniger und Zangger, der aufmerksame und erfahrene Hirte, schwankt mit seinen Gefühlen zwischen Wut und Trauer. Schuld daran ist der Wolf. «Der hat alle Rechte, die Schafe absolut keine», sagt Zangger. «Der Alpfrieden ist massiv gestört.»

Für Zangger wurde diesen Sommer «seine» Alp zum Ort des Schreckens. In den letzten paar Wochen hat ein Wolf insgesamt 25 Schafe gerissen. «Ich entdeckte an einem Morgen sieben tote Tiere», erzählt er. Es seien dann immer mehr geworden. «Es war grausam und brutal.» Der Hirte hat Fotos von den gerissenen Tieren gemacht. «Ich kann die Bilder gerne zum Veröffentlichen schicken», sagt er. Die «Südostschweiz» verzichtet darauf – sie sind zu brutal.

Zangger vermutete schon nach den ersten Rissen einen Wolf als Täter. DNA-Proben bestätigten seine Vermutung. «Es war einer aus Italien», so Zangger. In einem Blutrausch habe er einige Tiere gerissen, andere einfach zu Tode gehetzt. Einst waren die Schafe auf der Alp Vaüglia, zwischen 1947 und 2265 Meter über Meer, völlig frei. Seit den Wolfsrissen hat sich aber alles geändert. «Wir treiben die Tiere jeden Abend zusammen und pferchen sie ein, am Morgen lassen wir sie wieder laufen», sagt Zangger. «Wir sind jetzt auch drei Hirten, die die Herde tagsüber bewachen.» Kurz war auch ein Herdenschutzhund ein Thema. Doch das klappte dann wieder nicht. Zu der Fachzeitschrift «Schweizer Bauer» sagte Carlo Mengotti, Herdenschutzberater am Plantahof: Offensichtlich habe die Chemie des Herdenschutzteams des Bundes mit der des Alpteams nicht harmoniert. Zangger entgegnet: Der Bund habe gesagt, Schafe und Hunde müssen sich mindestens einen Monat aneinander gewöhnen. «Für solche Spässchen haben wir jetzt keine Zeit.»

Zangger wäre mehr als froh, wenn es dem italienischen Wolf von Val Valüglia an den Kragen gehen würde. «Wenn der Wolf innerhalb eines Monats 28 Schafe reisst, könnte man ihn abschiessen», weiss er. Weil man aber immer DNA-Spuren sichern und die Untersuchungsresultate vorliegen müssten, würden die Abschüsse hinausgezögert. Zangger ist begreiflicherweise erzürnt, dass Schafe in seiner Obhut gerissen wurden. Hinausgezögert wird aber nichts. Es dauert tatsächlich seine Zeit, bis alle Untersuchungen fertig sind: Die Kantone sammeln gemäss Vorgaben des Bundesamtes für Umwelt (Bafu), Haar-, Kot-, Urin- oder Speichelproben, die auf einen Wolf hinweisen, und schicken diese an die für die nationale Bestandesüberwachung zuständige Bafu-Institution. Laut dem schweizerischen Wolfskonzept sind Abschüsse von einzelnen Wölfen, die erheblichen Schaden an Nutztieren anrichten, möglich. Allerdings mit Einschränkungen: nur wenn es keine andere befriedigende Lösung gibt und die Ausnahme dem Bestand der betreffenden Population nicht schadet und zuvor die zumutbaren Herdenschutzmassnahmen ergriffen wurden.

Quelle: Südostschweiz Ausgabe Graubünden

Poschiavo, 02.08.2015 - Es ist unfassbar, was auf der Alp Valüglia seit Ende Juni bis anfangs August geschehen ist und weiter geschieht. Ein oder mehrere Wölfe haben innerhalb einer Zeitspanne von etwas mehr als einem Monat über 30 Schafe gerissen (davon 5 jenseits der Schweizer Grenze, also auf italienischem Gebiet).

Das erzählen zähneknirschend und voller Wut die Hirten und Eigentümer der 350 Schafe umfassenden Herde.

Tatsächlich wurden im genannten Gebiet folgende Schafe gerissen:

  • 5 Schafe am 29. Juni
  • 7+1 Schafe am 06./07. Juli
  • 3 Schafe am 15./16. Juli
  • 2 Schafe am 21. Juli
  • 3 Schafe am 26. Juli
  • 3 + 1 verschwunden am 01. August
  • 5 Schafe auf italienischem Territorium

Obwohl die Jagdaufseher vom Eigentümer der Herde mehrmals zur Stelle gerufen worden waren, bagatellisierten diese teilweise die Vorfälle, es sei nicht sicher, dass es ein Wolf sei, es könnten ja auch Hunde gewesen sein, während die Wunden und die Art der Risse eindeutig typisch von Wölfen waren. Man musste somit einen Monat lang auf die DNA-Analyse warten, mit den entsprechenden Kosten. Diese hat nun klar die Identität des Wolfes nachgewiesen. Sehr problematisch ist, dass weder die Jagdaufseher, noch das kantonale Amt für Jagd und Fischerei die Bevölkerung über das Geschehen informiert hatten!

Schaf zerrissen vom Wolf, Poschiavo,  Juli 2015

Warum diese ständige Politik des Nichtinformierens, des Totschweigens und der Irreführung?

Jedenfalls hätte man zumindest bereits Ende Juni die Bevölkerung informieren können, dass mehrere Schafe gerissen worden seien und es vielleicht ein Wolf war. Dies hätte auch alle anderen Bauern im Puschlav und Umgebung informiert und aufmerksam gemacht.

Das Schlimmste ist aber das Verhalten der Behörden und Beamten, die behaupten, einige Herdenschutzmassnahmen würden genügen, um die Wölfe zu besiegen.

Die Verantwortlichen des Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums Plantahof schickten über die landwirtschaftliche Beratungszentrale AGRIDEA eine Frau und einen Mann mit Hunden, um den in Not geratenen Hirten zu helfen. Sie wollten angeblich ca. 10 Hektaren des fast 500 Hektaren umfassenden Alpterritoriums umzäunen. Diese Fachkräfte mussten den Einsatz nach wenigen Tagen abbrechen, ohne konkrete Resultate zu erzielen. Es ist zu befürchten, dass bei solchen und ähnlichen Vorkommnissen, bei denen die Herdenschutzmassnahmen nicht greifen, die Alpen in den folgenden Jahren nicht mehr bestossen werden und mit deren Vergandung gerechnet werden muss. Mit grösster Wahrscheinlichkeit gehört die Alp Valüglia zu solchen nicht schützbaren Alpen.

Für die Tierschützer und die kantonalen Verantwortlichen der Grossraubtiere scheinen die unsäglichen Qualen der armen Schafe nichts zu gelten. Der Schutz der Grossraubtiere wird viel höher gewichtet als das elende Verenden unserer Schafe, was als schwere Tierquälerei zu bewerten ist. Dies ist diskriminierend.

Man sollte endlich damit aufhören, sich hinter der Aussage zu verstecken, dass die Grossraubtiere von internationalen Verträgen und Konventionen geschützt seien! Der Bundesrat hat nur den eindeutigen Parlamentsbeschluss von 2010 gemäss der Motion Fournier zu erfüllen, bzw. die Berner Konvention zu kündigen und neu zu verhandeln!

Vereinigung Lebensräume ohne Grossraubtiere, Graubünden

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