Poschiavo, 30.08.2015 - Nach mehreren Wolfrissen im Puschlav sorgen sich die Hirten um ihre Schafe. Schafhirt Titus Zangger kritisiert das Wolfkonzept. Er findet, das Raubtier habe alle Rechte, die Schafe keine

von Pierina Hassler

Titus Zangger ist Schafhirte aus Leidenschaft: «Es gibt nichts Erfüllenderes, als auf diese genügsamen Tiere achtzugeben. Sie zu hegen und zu pflegen.» Seit vier Jahren sömmert Zangger auf der Puschlaver Alp Vaüglia hoch über Brusio. Das Weidland umfasst rund 1000 Hektaren, teilweise über die Landesgrenze hinaus bis nach Italien. Anfang Sommer ging Zangger mit 345 Schafen von Engadiner Bauern z’Alp. Mittlerweile sind es 25 Tiere weniger und Zangger, der aufmerksame und erfahrene Hirte, schwankt mit seinen Gefühlen zwischen Wut und Trauer. Schuld daran ist der Wolf. «Der hat alle Rechte, die Schafe absolut keine», sagt Zangger. «Der Alpfrieden ist massiv gestört.»

Für Zangger wurde diesen Sommer «seine» Alp zum Ort des Schreckens. In den letzten paar Wochen hat ein Wolf insgesamt 25 Schafe gerissen. «Ich entdeckte an einem Morgen sieben tote Tiere», erzählt er. Es seien dann immer mehr geworden. «Es war grausam und brutal.» Der Hirte hat Fotos von den gerissenen Tieren gemacht. «Ich kann die Bilder gerne zum Veröffentlichen schicken», sagt er. Die «Südostschweiz» verzichtet darauf – sie sind zu brutal.

Zangger vermutete schon nach den ersten Rissen einen Wolf als Täter. DNA-Proben bestätigten seine Vermutung. «Es war einer aus Italien», so Zangger. In einem Blutrausch habe er einige Tiere gerissen, andere einfach zu Tode gehetzt. Einst waren die Schafe auf der Alp Vaüglia, zwischen 1947 und 2265 Meter über Meer, völlig frei. Seit den Wolfsrissen hat sich aber alles geändert. «Wir treiben die Tiere jeden Abend zusammen und pferchen sie ein, am Morgen lassen wir sie wieder laufen», sagt Zangger. «Wir sind jetzt auch drei Hirten, die die Herde tagsüber bewachen.» Kurz war auch ein Herdenschutzhund ein Thema. Doch das klappte dann wieder nicht. Zu der Fachzeitschrift «Schweizer Bauer» sagte Carlo Mengotti, Herdenschutzberater am Plantahof: Offensichtlich habe die Chemie des Herdenschutzteams des Bundes mit der des Alpteams nicht harmoniert. Zangger entgegnet: Der Bund habe gesagt, Schafe und Hunde müssen sich mindestens einen Monat aneinander gewöhnen. «Für solche Spässchen haben wir jetzt keine Zeit.»

Zangger wäre mehr als froh, wenn es dem italienischen Wolf von Val Valüglia an den Kragen gehen würde. «Wenn der Wolf innerhalb eines Monats 28 Schafe reisst, könnte man ihn abschiessen», weiss er. Weil man aber immer DNA-Spuren sichern und die Untersuchungsresultate vorliegen müssten, würden die Abschüsse hinausgezögert. Zangger ist begreiflicherweise erzürnt, dass Schafe in seiner Obhut gerissen wurden. Hinausgezögert wird aber nichts. Es dauert tatsächlich seine Zeit, bis alle Untersuchungen fertig sind: Die Kantone sammeln gemäss Vorgaben des Bundesamtes für Umwelt (Bafu), Haar-, Kot-, Urin- oder Speichelproben, die auf einen Wolf hinweisen, und schicken diese an die für die nationale Bestandesüberwachung zuständige Bafu-Institution. Laut dem schweizerischen Wolfskonzept sind Abschüsse von einzelnen Wölfen, die erheblichen Schaden an Nutztieren anrichten, möglich. Allerdings mit Einschränkungen: nur wenn es keine andere befriedigende Lösung gibt und die Ausnahme dem Bestand der betreffenden Population nicht schadet und zuvor die zumutbaren Herdenschutzmassnahmen ergriffen wurden.

Quelle: Südostschweiz Ausgabe Graubünden

Poschiavo, 02.08.2015 - Es ist unfassbar, was auf der Alp Valüglia seit Ende Juni bis anfangs August geschehen ist und weiter geschieht. Ein oder mehrere Wölfe haben innerhalb einer Zeitspanne von etwas mehr als einem Monat über 30 Schafe gerissen (davon 5 jenseits der Schweizer Grenze, also auf italienischem Gebiet).

Das erzählen zähneknirschend und voller Wut die Hirten und Eigentümer der 350 Schafe umfassenden Herde.

Tatsächlich wurden im genannten Gebiet folgende Schafe gerissen:

  • 5 Schafe am 29. Juni
  • 7+1 Schafe am 06./07. Juli
  • 3 Schafe am 15./16. Juli
  • 2 Schafe am 21. Juli
  • 3 Schafe am 26. Juli
  • 3 + 1 verschwunden am 01. August
  • 5 Schafe auf italienischem Territorium

Obwohl die Jagdaufseher vom Eigentümer der Herde mehrmals zur Stelle gerufen worden waren, bagatellisierten diese teilweise die Vorfälle, es sei nicht sicher, dass es ein Wolf sei, es könnten ja auch Hunde gewesen sein, während die Wunden und die Art der Risse eindeutig typisch von Wölfen waren. Man musste somit einen Monat lang auf die DNA-Analyse warten, mit den entsprechenden Kosten. Diese hat nun klar die Identität des Wolfes nachgewiesen. Sehr problematisch ist, dass weder die Jagdaufseher, noch das kantonale Amt für Jagd und Fischerei die Bevölkerung über das Geschehen informiert hatten!

Schaf zerrissen vom Wolf, Poschiavo,  Juli 2015

Warum diese ständige Politik des Nichtinformierens, des Totschweigens und der Irreführung?

Jedenfalls hätte man zumindest bereits Ende Juni die Bevölkerung informieren können, dass mehrere Schafe gerissen worden seien und es vielleicht ein Wolf war. Dies hätte auch alle anderen Bauern im Puschlav und Umgebung informiert und aufmerksam gemacht.

Das Schlimmste ist aber das Verhalten der Behörden und Beamten, die behaupten, einige Herdenschutzmassnahmen würden genügen, um die Wölfe zu besiegen.

Die Verantwortlichen des Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums Plantahof schickten über die landwirtschaftliche Beratungszentrale AGRIDEA eine Frau und einen Mann mit Hunden, um den in Not geratenen Hirten zu helfen. Sie wollten angeblich ca. 10 Hektaren des fast 500 Hektaren umfassenden Alpterritoriums umzäunen. Diese Fachkräfte mussten den Einsatz nach wenigen Tagen abbrechen, ohne konkrete Resultate zu erzielen. Es ist zu befürchten, dass bei solchen und ähnlichen Vorkommnissen, bei denen die Herdenschutzmassnahmen nicht greifen, die Alpen in den folgenden Jahren nicht mehr bestossen werden und mit deren Vergandung gerechnet werden muss. Mit grösster Wahrscheinlichkeit gehört die Alp Valüglia zu solchen nicht schützbaren Alpen.

Für die Tierschützer und die kantonalen Verantwortlichen der Grossraubtiere scheinen die unsäglichen Qualen der armen Schafe nichts zu gelten. Der Schutz der Grossraubtiere wird viel höher gewichtet als das elende Verenden unserer Schafe, was als schwere Tierquälerei zu bewerten ist. Dies ist diskriminierend.

Man sollte endlich damit aufhören, sich hinter der Aussage zu verstecken, dass die Grossraubtiere von internationalen Verträgen und Konventionen geschützt seien! Der Bundesrat hat nur den eindeutigen Parlamentsbeschluss von 2010 gemäss der Motion Fournier zu erfüllen, bzw. die Berner Konvention zu kündigen und neu zu verhandeln!

Vereinigung Lebensräume ohne Grossraubtiere, Graubünden

12.08.2015 - Referat von FDP-Nationalratskandidat Urs Cadruvi,  1900 h Hotel lukmanier . Ilanz/Glion

23.06-2015, Isenthal - In den vergangenen zwei Wochen hat der Wolf im Gebiet der Gemeinde Isenthal auf zwei Alpen (30 Tiere) und zwei Heimbetrieben (2 Tiere) gesamthaft 32 Schafe gerissen. Rund ein Dutzend Schafe werden noch vermisst.

In der Jagdgesetzgebung ist der Auftrag formuliert, dass das Bundesamt für Umwelt (BAFU) ein Konzept über den Umgang mit geschützten Arten wie dem Wolf erstellt. Aktuell gültig ist das Konzept Wolf von 2008. In diesem Wolfkonzept ist geregelt, dass die Kantone für einzelne Wölfe, die erheblichen Schaden an Nutztieren anrichten, eine Abschussbewilligung gemäss Art. 12, Abs. 2, Jagdgesetz erteilt werden kann. Die Schadenschwelle liegt dabei bei 25 gerissenen Nutztieren in einem Monat oder 35 Nutztieren in vier Monaten.

Weil der Wolf im betreffenden Gebiet erstmals auftritt werden alle Risse gezählt. In den Folgejahren werden die Risse nur noch gezählt, wenn alle technisch möglichen, praktikablen und finanzierbaren Schutzmassnahmen ergriffen wurden. Die Schadenschwelle in diesem ist somit deutlich überschritten. Daher hat der Kanton Uri den Antrag gestellt, den schadenstiftenden Wolf zu erlegen.

Gemäss Konzept Wolf Schweiz ist die interkantonale Kommission vor einem Abschussentscheid zu konsultieren. Diese Kommission setzt sich in diesem Fall aus den Jagdverwaltungen der Kantone UR/NW/OW/LU/BE sowie der Sektion Wildtiere des BAFU zusammen. Am 22. Juni 2015 hat die IKK getagt und einstimmig die fachliche Zustimmung zu einem Abschussentscheid des Kantons gegeben.

Auf Grund der Überschreitung der Schadenschwelle und der fachlichen Zustimmung der Kommission wird Sicherheitsdirektor Beat Arnold heute den Abschuss verfügen. Es geht dabei nicht um eine Bestrafungsaktion gegen den Wolf sondern um die Vermeidung von weiteren Schäden an Nutztieren.

Herdenschutz
Parallel zu diesem Abschussentscheid ist der Herdenschutz gefordert. Hier muss ein Herdenschutz aufgebaut werden um die Herden inskünftig optimal gegen Wolfangriffe schützen zu können. Zukünftig werden für Abschussentscheide in diesem Gebiet nur noch Risse gezählt, bei deren Herden alle technisch möglichen, praktikablen und finanzierbaren Schutzmassnahmen getroffen wurden.

Abschussperimeter, Dauer der Abschussbewilligung
Der Abschussperimeter entspricht dem vermuteten Streifgebiet des schadenstiftenden Wolfes, ausgenommen ist das eidg. Jagdbanngebiet Urirotstock. Die Abschussbewilligung ist auf 60 Tage befristet. 

Medienmitteilung Kanton Uri vom 23.06.2015 

Cadine, 10.06.2015 - Im Trentino attackierte am Mittwoch ein Bär einen Jogger. Medienberichten zufolge war der 45-jährige Vladimir Molinari aus Cadine gegen 17.00 Uhr mit gemeinsam mit seinem Hund in Pozzo degli Spini unterwegs, als er in einem etwas oberhalb gelegenen Wald von einem Bären attackiert wurde.

Der Bär soll dem 45-Jährigen mehrere Prankenhiebe gegen Brust und Arme versetzt haben. Andere Berichte sprechen sogar von einem Biss ins Gesicht.Der Ultratrail-Läufer soll sich mehrere Minuten lang gewehrt haben, ehe der Bär abdrehte. Molinari soll schwer verletzt worden sein.

Rettungsteam bereitet den Schwerverletzten fur die Einlieferung mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus

Ein Radfahrer begleitete den Schwerverletzten ins Tal und versuchte ihn durch Gespräche bei Bewusstsein zu halten. Anschließend wurde Molinari mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus S.Chiara di Trento eingeliefert. Sein Hund wurde später ebenso verletzt in Cadine gefunden.

Radfahrer

Der Radfahrer der den Schwerverletzten ins Tal begleitete

Der Trientner Landeshauptmann Rossi kontaktierte bereits den italienischen Umweltminister Gian Luca Galetti. Am heutigen Donnerstag soll in einer Videokonferenz weiter zum Thema Bären gesprochen werden.

 

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