Das Bündner Amt für Jagd und Fischerei AJF publizierte Ende März den Jahresbericht Wolf 2020; ausführlich und mit vielen interessanten Informationen wird über die laufende Wiederansiedlung dieser Raubtiere in Graubünden berichtet.


Besonders auffallend sind die Verdoppelung der Wolfpopulation auf geschätzte 50 Tiere im letzten Jahr und die katastrophale Zunahme der Nutztierrisse auf etwa 260: Erstmalig wurde ein erwachsener Esel und ein Kalb gerissen, sowie weitere neun Kälber vom Wolf angefressen. Diese Zahlen müssten die kantonalen und eidgenössischen Behörden in höchste Alarmbereitschaft versetzen. Angesagt wären unbürokratische Notmassnahmen, um diese unheilvolle Entwicklung zu stoppen.


Die «Vereinigung Lebensräume ohne Grossraubtiere GR» hatte mit der Unterstützung weiterer vier bäuerlicher Institutionen bereits im Mai 2019 mit einer Veranstaltung in der Arena Cazis vor einem Publikum von über 300 Personen vor einer solchen Entwicklung gewarnt und eine entsprechende Resolution zuhanden der Bundesrätin Simonetta Sommaruga und dem Direktor des Bundesamtes für Umwelt Marc Chardonnens mit den folgenden Forderungen verabschiedet:

  1. «Der in der Berner-Konvention formulierte «strenge Schutz» des Wolfes ist auf «geschützt» zu senken oder die Konvention ist allenfalls zu kündigen, wie es die Motion Fournier verlangt.
  2. Wir verlangen eine griffige Gesetzgebung zum Schutz von Tier und Mensch vor Grossraubtier-Angriffen. Das Risiko allfälliger Unfälle mit Menschen und die Qualen der gerissenen Tiere sind nicht länger hinzunehmen.
  3. Die Kompetenz zur Regulierung der Wolfspopulationen soll an die Kantone übergeben werden.
  4. Die Kommunikation der Ämter mit der betroffenen Bevölkerung und den Tierhaltern soll schnell und effizient erfolgen.
  5. Die Kosten eines effizienten Herdenschutzes sind vom Bund zu übernehmen.
  6. Die Zukunft der Biodiversität im Alpenraum muss sichergestellt und die Vergandung der Alpweiden verhindert werden.»
  7. Bisher unternahmen die zuständigen Behörden nichts wirklich Wirksames zur Entschärfung der Situation. Am 27. September 2020 lehnte das Stimmvolk das Jagdgesetz zwar mit 51,9% Neinstimmen knapp ab, aber der gesetzliche Spielraum wurde bis heute nicht ausgenutzt, um pragmatische Lösungen umzusetzen.
    Nun werden die Nutztiere bald auf Heimweiden, Maiensässe und später auf die Alpen gebracht und die Bauern werden wiederum in ständiger Angst vor einem Wolfangriff schlaflose Nächte verbringen.

Sie fragen sich bereits heute, wieviele Wölfe werden wir Ende Jahr haben? Wieviele unserer Tiere werden vom Wolf getötet, verletzt oder in Abgründe gejagt? Wieviele Wölfe werden in die Nähe von Siedlungen nach Nahrung suchen, ohne Angst vor den Menschen? Wieviel zusätzlicher Aufwand wird zu leisten sein? …
Die rasante Zunahme der Wölfe wird durch immer mehr verstörte Mutterkühe und aggressive Herdenschutzhunde ganze Regionen unsicher machen und sich somit negativ auf den Tourismus auswirken.


Und wenn im Bericht des AJF steht, dass «die rasche Bestandesentwicklung des Wolfs in unserer Kulturlandschaft aus Sicht der Artenvielfalt und Ökologie faszinierend ist», muss diese Aussage als kurzsichtig und zynisch bezeichnet werden: Wenn sich der Wolf mit dieser Geschwindigkeit weiter ausbreitet, werden immer weniger Weiden bewirtschaftet und weite Teile der Alpen werden verbuschen und verganden, mit einem immensen Schaden für die Biodiversität, die Berglandwirtschaft und für den Tourismus. Die Fauna wird zwar um eine Art reicher, aber die Bergbauern werden die Gebiete verlassen und die Bergflora wird verarmen.


Vereinigung Lebensräume ohne Grosssraubtiere/GR, Rico Calcagnini, Präsident

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