Leserbrief auf dem Bündner Tagblatt vom 12.02.2014

Die Calanda-Wölfe schaffen es, über das Fernsehen - mit «Netz Natur», «Schweiz aktuell», der «Tagesschau» bis zur «Rundschau» - eine unglaubliche Präsenz zu erreichen. Zusätzlich kommen die Printmedien mit einem erklecklichen Teil dazu. Eine Aufmerksamkeit, von der man beispielsweise im kulturellen Bereich auch auf schweizerischer Ebene (zum Beispiel Schweizer Chorwettbewerb) nur träumen kann.

lupi

Die «Rundschau-Sendung vom 5. Februar hat für mich den Bogen endgültig überspannt. Dass ein Fanatiker, wie es der Präsident «Wölfe Schweiz» für mich ist, dermassen breit zu Wort kommt, finde ich überrissen (obwohl ich sonst diese Sendung schätze). Schweizweit verbreitet Herr Gerke innerhalb dieser Sendung den Kindern Ratschläge, sie sollen bei einer Begegnung mit dem Wolf ein Foto vom diesem machen.

Es passiere selten, dass ein Mensch angegriffen würde (übrigens auch eine Aussage des Bündner Jagdinspektors). Für mich ist das eine gefahrliehe Bagatellisierung, die vor allem Kindern gegenüber nicht zulässig ist. Unerhört finde ich auch, dass einer nach Tamins kommt und Plakate «Fr. 10000.Kopfgeld» aufhängt, wie es auch in der Sendung zu sehen war. Das Plakat ist einerseits eine Verunglimpfung der Jäger und des Jagdwesens in Graubünden und anderseits sind es Methoden, die nach Amerika gehören.

In denselben «Tages. schaue-Nachrichten, in denen vom raschen Zustandekommen eines Kopfpreisgeldes von 10 000 Franken berichtet wurde, sah man in einem späteren Beitrag, wie Kinder in Afrika am Verhungern sind. Als Spender von Kopfgeld wäre es meiner Ansicht nach Zeit, über das Verhältnis Mensch und Tier nachzudenken. Ich jedenfalls habe bei dieser Sendung den Entschluss gefasst, keiner Tier und Naturschutzorganisation auch nur mehr einen Rappen zu spenden. Gruppen wie «Wolf Schweiz» sind für mich Naturfundamentalisten, die in keiner Weise unterstützt werden sollen - wie übrigens Fundamentalisten jeglicher Art nicht.


Unsere Vorfahren wussten aus mindestens zwei Gründen, was sie taten. Einerseits waren sie wesentlich mehr mit der Natur verbunden und anderseits konnten sie es sich finanziell nicht leisten, ihre Nutztiere den Raubtieren preiszugeben. Wenn die wirklich Betroffenen um den Calanda herum eine Abstimmung über den Wolf machen würden, dürfte ein Austritt aus der in Bern - weit vom Geschütz - unterschriebenen Wildtierverordnung die Folge sein.


LUZIUS HASSLER, CHUR

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