Das Abschiessen eines Wolfes kann nicht strafrechtlich verfolgt werden, sofern die Voraussetzungen des Artikels 17 des Strafgesetzbuchs (StGB) erfüllt sind

An der Generalversammlung des Vereins für Lebensräume ohne Grossraubtiere vom 29. März in Le Prese, Poschiavo schilderten Betroffene aus dem Wallis, dem Tessin, sowie aus Italien und Frankreich ihre Sorgen bezüglich der Ansiedlung des Wolfes und anderer Grossraubtiere im Alpenraum. An diesem Abend zeigte sich sehr klar, dass europaweit Handlungsbedarf besteht. Die Anwesenden verabschiedeten die «Erklärung von Poschiavo für ein Berggebiet und eine Landschaft in Europa ohne Grossraubtiere». Dieser Text ist auf der Homepage des Vereins (www.atsenzagp.org) zu finden. Nach den Erfahrungen mit dem Bär M13 gelang es den Puschlavern innert Jahresfrist eine Organisation zu gründen, die sich für den Schutz der Bevölkerung und der Bergbauern vor der Rückkehr der Grossraubtiere einsetzt.

Zusätzliche Unterstützung bekommen betroffene Tierhalter nun von Rechtsprofessor Rainer Schumacher, der sich im Walliser Boten vom 4. März zur Thematik geäussert hatte. Schumacher schrieb, dass das Abschiessen eines Wolfes nicht strafrechtlich verfolgt werden kann, sofern die Voraussetzungen des Artikels 17 des Strafgesetzbuchs (StGB) erfüllt sind. Dieser besagt: «Rechtfertigender Notstand - Wer eine mit Strafe bedrohte Tat begeht, um ein eigenes oder das Rechtsgut einer anderen Person aus einer unmittelbaren, nicht anders abwendbaren Gefahr zu retten, handelt rechtmässig, wenn er dadurch höherwertige Interessen wahrt.» Rainer Schumacher bezeichnet einen Wolf, der sich einer Schafherde nähert oder bei einer Siedlung herumstreift, «als eine konkrete und unmittelbar drohende Gefahr im Sinne der Rechtsprechung des Bundesgerichts». Diese Gefahr lässt sich nur durch das Abschiessen des Wolfs abwenden. «Bereits ein einziges Schaf, dem nach einem mörderischen Wolfsbiss ein qualvoller Tod droht, ist ein höherwertiges Rechtsgut, zu dessen Rettung der Wolf abgeschossen werden darf».Auch ein Jäger, der von einem Schafzüchter um Notstandshilfe ersucht worden ist, soll nicht bestraft werden können, folgert Schumacher aus einem Urteil des Bundesgerichts (BGE 129 VI 14).

Laut dem Konzept «Wolf Schweiz» darf ein Wolf erst dann abgeschossen werden, wenn er innerhalb von vier Monaten 35, respektive innerhalb von einem Monat 25 Nutztiere gerissen hat. Diese Regelung ist für betroffene Tierhalter unerträglich und die Interpretation von Professor Schumacher kann sowohl Tierhaltern wie Tieren viel Leid ersparen.

Rico Calcagnini, Buchen

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