Leserbrief zur Berichterstattung Wolf in der Schweiz SO 01.10.2010: “Nationalrat hat kein Herz für die Wölfe“/Seite 15 Tagesthema: Wolfschutz gelockert, bez. Artikel Kommentar Peter Simmen “Politik nach dem Muster einer Bananenrepublik“

Zum Wolf  im europäischen Alpenraum: Wehret den Anfängen! Ein Applaus der Mehrheit im Parlament

Viele Mitglieder und Sympatisanten (Älpler/innen, Bergbauer, Agronomen, Uni-Professoren, Historiker…auch einfache Menschen der Stadt Freunde der Alpen) unserer grenzüberschreitenden Vereinigung, Freunde der Alpen und Bergen, Associazione Amici degli Alpeggi e della Montagna (AmAMont), die im ganzen europ. Alpenraum leben und die sich für die Erhaltung der Lebensfähigkeit und Entwicklung des europäischen Alpenraumes einsetzen, sind schokiert über die bagatellisierende Berichterstattung, bes. von Herrn Peter Simmen (SO 01.10.2010) über gen Problematik des Wolfes in der Schweiz (ähnlich der Problematik anderer Raubtiere z.B. Bär, etc.). Alpenkonvention hin oder her.

Wir fragen uns, ob Herr Simmen 1) je einmal Hirtenbub in seinem Leben  war (natürlich nicht nur ein Tag bei Sonnenschein als Plauschfest auf der Alp), sondern z.B. an Normaltagen von Morgen 04.00 Uhr bis Abend 21/22.00 Uhr oder bei Regen, Kälte, Nebel und evtl. Schnee, wenn der Hirt seine Herde draussen zusammenhalten u. betreuen muss. Bereits diese Arbeit ist nicht nur Idylle (sondern Schwerarbeit), geschweige denn eine Bagatelle!

Und 2) was für ein Leben ist aber überhaupt auf der Alp noch möglich, wenn der Hirt und seine Tiere …… noch von Wolf oder anderen Raubtiere bedroht sind?

Aus den vielen Berichten nach Besuchen bei unseren Freunden aus dem europ. Alpenraum waren besonders die aus der Region Piemont (an der Grenze zu Frankreich) bezüglich Treiben des Wolfes niederschmetternd.

Gerade die Bevölkerung von Coumboscuro (Cuneo), Centre Provencale, eine Bevölkerung  die sicher genug abgehärtet ist und noch heute mit grösster Widerstandskraft Bergdörfer insbesondere Schulen und Kultur sowie Berglandwirtschaft  (Schafherden u. Rinde) aufrechthält, ja sogar ausbaut, musste in der letzten Jahren machtlos zusehen, wie vorerst ein, dann zwei Wölfe bei ihr einzog … heute sogar eine Gruppe Wölfe existiert und nun in den letzten 3 Jahren Herden zerrissen und Hirten derart bedrohen, dass diese fast zur Resignation gezwungen werden, während eben Regionalpolitiker, Wolfsfreunde und “Wolfsmedien“,  etc. schön romantisch sich in ihren Samtsessel, in ihren beheizten Büros in Turin kaum vom jährlichen Gemetzel der Wölfe Kenntnis nehmen.

In einer Herde z.B. eines Bauern Durbano wurden 130 Schafe im Jahr 2008 und im Jahr 2009  106 gerissen….
Trotz bestem Herdenschutz musste sich dieser Eigentümer und Hirt/Bauer aus Leidenschaft: „sich persönlich – in 2010 am helllichten Tag: - gegen die immer häufigeren und je mehr auch für Menschen lebensgefährlichen Wölfeattaken bis zur letzten Kraft wehren… die Wölfe kamen im letzten Winter hungernd sogar auf  die Dörfer zu! Was tat der staatliche regionale Herdenschutz? man liess nach 2 Tagen ein Paar sog. Spezialisten zur Herde gehen… sie liessen einige Kilo Fleisch für die Wölfe auf grösster Distanz stehen… und flohen danach aus Angst und aller Eile davon!! (s. link http://www.ruralpini.it/Roumiage.htm)

Dies ist heute bereits die Realität im europ. Alpenraum Herr Simmen! … Gemäss Ihrer Mentalität wären wir bald auch in der Schweiz in dieser Lage… es ist also keineswegs wie Sie schreiben ein: “von nur ein Paar Walliser herbeigeredetes lokales Wolfsproblem“. Sie könnten sich ja selbst einmal bei diesen Wölfen tummeln und zusehen, was aus Ihnen würde. Wahrscheinlich würden Sie sicher keine derartigen Artikel mehr schreiben!
 
Übrigens erreicht uns die aktuelle Nachricht  aus Trient, dass Bären Maiensässe und Dörfer derart belagern, dass Präsident Dellai den Forstwärter den Befehl erteilte, allenfalls die Bären abzuschiessen (s. Newsletter Ruralpina n. 33 vom 04.10.2010 / http://www.ruralpini.it).

Dafür, entgegen Ihrer Mentalität –ein Applaus der Schweizer Demokratie und bes. jener Mehrheit  Parlamentarien des Stände-u. Nationalrat die den Mut endlich aufbrachte, das Wolfsproblem realistisch anzugehen-: eben wehret den Anfängen!! denn sonst wäre der viel gelobte Wandertourismus und Tourismus allgemein, inkl. Handwerk u. sonstigen Tätigkeiten, in unseren schönen Bergtäler und in unseren schönen Alpenlandschaft auch bald dahin.

Wir wollen aber in unserem europäischen Alpenraum, mit seiner über 1000-jährigen (sage und schreibe: tausendjährigen) Geschichte und Zivilisation, die mit grösstem Fleiss und Schweiss der Bergbevölkerung hart bis heute erarbeitet wurde, noch menschlich leben dürfen…

Wer Wölfe oder Bären sehen will oder sogar mit diesem Raubtieren leben möchte, soll gefälligst die entspr. Reservate oder Zoo aufsuchen!
Jedenfalls: das Lebensrecht des Menschen auch der Älpler/innen geht wohl eindeutig hoffentlich noch vor dem sog. “Lebensrecht des Wolfes“!

Dr. Plinio Pianta, Brusio

Präsident AmAMont

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