Auftrag Kollegger (Chur) betreffend Einbezug der betroffenen Bevölkerung zum Thema Grossraubtiere in Graubünden

Session: 24.04.2013
Nach dem Abschuss des Problembären M13 stellt sich die Frage wie weiter. Diese Frage muss nicht nur im Zusammenhang mit Bären im Speziellen, sondern mit Grossraubtieren im Allgemeinen (Bär, Wolf) gestellt werden. Einerseits herrscht in der von Umwelt- und Tierschutzorganisationen geprägten öffentlichen Diskussion die Meinung vor, dass wir Menschen lernen müssen, mit diesen Grossraubtieren zu leben und umzugehen. Es ist nach dem Abschuss von M13 seitens der erwähnten Organisationen sogar davon die Rede, dass der Druck auf den Kanton und die Gemeinden massiv erhöht werden soll. Für eine Eidgenössische Initiative, die den Schutz von Grossraubtieren in der Bundesverfassung verankern will, werden Unterschriften gesammelt. Auf der anderen Seite bestehen Sorgen und Ängste in der Bevölkerung, die ein Zusammenleben mit Grossraubtieren ausschliessen. Diese Stimmungslage findet Ausdruck in vielen öffentlichen Unmutsbekundungen oder in der Gründung eines Antibären-Vereins. Für diese Bevölkerungskreise ist es unverständlich, dass von Aussenstehenden und „von oben herab“ bestimmt wird, wie mit diesem Thema umzugehen ist. Es kann festgestellt werden, dass Regionen vor der konkreten Erfahrung mit Grossraubtieren, dem Thema durchaus positiv gegenüber eingestellt waren. Die direkte Betroffenheit hat die Meinung aber in eine kritische bis ablehnende Haltung kippen lassen. Es ist daher nicht zielführend, den Betroffenen eine Meinung und ein Umgang mit dem Thema aufzuzwingen. In der auch vom Kanton verfolgten Stossrichtung wird die kritische/ablehnende Haltung der betroffenen Bevölkerung aber weitestgehend ausser Acht gelassen.

Bevor kostspielige Massnahmen wie beispielsweise die Umrüstung von Infrastrukturen forciert, die Schaffung eines Bärenbeauftragten eingeleitet oder der Herdenschutz ausgedehnt werden, ist die Grundsatzfrage zu klären, welche der eingangs erwähnten Entwicklungen von der betroffenen Bevölkerung mitgetragen wird. Meinungen, Studien und Expertisen von Dritten sind in dieser Debatte wichtig. Genauso wichtig aber ist eine aktive, basisdemokratische Einbindung der betroffenen Bevölkerung, das heisst der Bündnerinnen und Bündner.

Die Regierung wird beauftragt, die Meinung und Anliegen der Bevölkerung ernsthaft zu analysieren (z.B. durch Einberufung eines sog. „Runden Tischs“ mit Gemeindevertretern) und in geeigneter Weise in die Debatte und den politischen Prozess einfliessen zu lassen.

Chur, 24. April 2013

Kollegger (Chur), Monigatti, Steck-Rauch, Blumenthal, Bondolfi, Brandenburger, Buchli-Mannhart, Burkhardt, Caduff, Casty, Cavegn, Conrad, Davaz, Della Vedova, Dosch, Fallet, Foffa, Geisseler, Hitz-Rusch, Jeker, Kasper, Koch (Igis), Kollegger (Malix), Komminoth-Elmer, Mani-Heldstab, Meyer-Grass, Michael (Castasegna), Niggli-Mathis (Grüsch), Noi-Togni, Parpan, Perl, Stiffler (Davos Platz), Tscholl, Vetsch (Pragg-Jenaz), Decurtins-Jermann, Lauber, Pedrini (Soazza), Vassella
 
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